Schutz gegen die thermischen Gefahren eines elektrischen Lichtbogens
Kurz gesagt: Ein Störlichtbogen ist eine ungeplante Verbindung zwischen zwei Leitern durch ionisierte Luft. Er dauert meist weniger als eine Sekunde – und erreicht dabei über 10.000 °C. IEC 61482-2 – in Europa umgesetzt als EN 61482-2:2020 – legt fest, welche Anforderungen Kleidung erfüllen muss, die davor schützt. Wichtig zu wissen: Diese Kleidung schützt vor der thermischen Wirkung des Lichtbogens – sie ist keine elektrisch isolierende Schutzbekleidung.
Verschiedene Ursachen bei elektrotechnischen Arbeiten können einen Störlichtbogen auslösen:
- Fehlhandhabung
- Technische Defekte, Montagemängel, Wartungs- und Inspektionsfehler
- Verunreinigungen durch Fremdkörper in der Anlage
- Veränderte Witterungsbedingungen (z. B. erhöhte Luftfeuchtigkeit)
- Nagetierverbisse an Leitungen
Bei einem Lichtbogen entstehen Temperaturen von über 10.000 °C. Geeignete Schutzkleidung reduziert die thermischen Auswirkungen und schützt zuverlässig – jedoch nur in Kombination als vollständig geschlossener Anzug. Je nach Gefährdungsanalyse sind zusätzlich Kopf- und Handschutz erforderlich. Die Kleidung schützt nicht vor elektrischem Stromfluss und ist nicht isolierend.
Störlichtbogenschutzkleidung schützt vor der thermischen Wirkung. Sie ist keine elektrisch isolierende Schutzbekleidung – eine Schutzwirkung gegen Körperdurchströmung liegt nicht vor. Wer mit Berührungsspannung rechnet, braucht zusätzlich isolierende Ausrüstung.
Die Schutzklassen APC 1 und APC 2
Zwei Prüfverfahren
Box-Test (gerichteter Prüflichtbogen)
Ergebnis: APC 1 / APC 2
In der EU der übliche Zertifizierungsweg - geprüft nach IEC 61482-1-2.
Open-Arc-Test (offener Prüflichtbogen)
Ergebnis: ELIM bzw. ATPV in cal/cm²
Liefert einen Energiewert statt einer Klasse.
ELIM oder ATPV – der Unterschied ist erheblich
Beim ATPV-Wert (gebräuchlich in den USA und Kanada) besteht eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass der Träger dahinter eine Verbrennung zweiten Grades erleidet. Der ELIM-Wert (gebräuchlich in der EU) nennt die höchste Energie, unterhalb derer in der Prüfung kein Messpunkt die Verbrennungsgrenze erreicht oder das Material aufbricht – praktisch eine Wahrscheinlichkeit von 0 %. Beide werden in cal/cm² angegeben – aber sie bedeuten nicht dasselbe. Wer zwei Angebote vergleicht, muss zuerst prüfen, welcher der beiden Werte genannt ist.
Worauf es in der Praxis ankommt:
Die Schutzwirkung gilt nur für den geschlossenen Anzug
Ein Störlichtbogen wirkt aus einer Richtung, aber die Hitze umschließt den Körper. Deshalb ist die Schutzfunktion nur beim Tragen eines kompletten, geschlossenen Anzugs gegeben. Eine offene Jacke, hochgekrempelte Ärmel oder eine nicht geschützte Zone zwischen Jacke und Hose heben den Schutz an genau dieser Stelle auf.
Darunter zählt mit
Unterbekleidung aus Kunstfasern kann bei Hitzeeinwirkung schmelzen und Verbrennungen verstärken – auch unter einer normgerechten Schutzjacke. Unter Störlichtbogenschutz gehört Unterwäsche aus flammhemmendem Material oder aus Naturfaser.
Multinorm ist der Regelfall, nicht die Ausnahme
Störlichtbogenschutz tritt praktisch nie allein auf. Unsere Artikel kombinieren ihn standardmäßig mit Flammschutz nach EN ISO 11612 und Elektrostatik nach EN 1149, bei den HIGH-VIS-Modellen zusätzlich mit Warnschutz nach EN ISO 20471. Das ist kein Zufall: Wo ein Lichtbogen entstehen kann, sind Zündquellen und Sichtbarkeit ohnehin Thema.