Kleidung zum Schutz gegen Hitze und Flammen
Kurz gesagt: EN ISO 11612 regelt Kleidung, die vor Hitze und Flammen schützt. Anders als bei Warnschutz oder Wetterschutz gibt es keine Klassenzahl, sondern eine Reihe von Buchstabencodes – jeder steht für eine andere Art der Hitzeeinwirkung, jeder mit eigener Leistungsstufe. Welcher Code auf dem Etikett steht, entscheidet im Ernstfall darüber, ob die Kleidung die richtige Gefährdung abdeckt.
Die Buchstabencodes
Jeder Buchstabe steht für eine Prüfung gegen eine bestimmte Hitzeart. Code A ist Pflicht, dazu muss mindestens ein weiterer Code erfüllt sein. Bei den Codes B bis F gibt die Ziffer die Leistungsstufe an – je höher, desto besser; bei A1 und A2 steht die Ziffer für das Beflammungsverfahren, nicht für eine Stufe.
Einen Code lesen – in der Praxis
Worauf du beim Vergleich achten musst:Zwei Artikel können beide „EN ISO 11612" tragen und trotzdem für völlig verschiedene Arbeiten geeignet sein. Ein Teil mit
A1 B1 C1
schützt nicht gegen Metallspritzer – dafür braucht es
D
oder
E.
Inhärent oder ausgerüstet – der Unterschied hält oder vergeht
Flammschutz entsteht auf zwei grundsätzlich verschiedenen Wegen:
Inhärent: Die Schutzwirkung steckt in der Faser selbst – etwa bei Aramid oder Modacryl. Sie lässt sich nicht auswaschen und bleibt über die gesamte Lebensdauer erhalten.
Ausgerüstet: Ein normales Gewebe – meist Baumwolle – wird chemisch flammhemmend behandelt. Die Wirkung ist real, aber an die Ausrüstung gebunden und damit endlich.
Die Multinorm-Gewebe sind inhärent flammhemmend: Modacryl-, Aramid- und Viskose-FR-Mischungen, dazu ein Anteil antistatischer Faser. Der Schutz ist damit dauerhaft – ein Punkt, der bei Mietwäsche und langen Nutzungszyklen den Ausschlag gibt.
Ausnahme: Bei unseren Multinorm-Geweben ist die Schutzfunktion dauerhaft – ausgenommen der Chemikalienschutz nach EN 13034. Der beruht auf einer Ausrüstung und nicht auf einer Fasereigenschaft und ist damit als einzige der Schutzfunktionen waschabhängig endlich. Mehr dazu auf der Seite zu EN 13034.
Worauf es in der Praxis ankommt:
Die Lücke zwischen den Kleidungsstücken
Hitze sucht sich den Weg des geringsten Widerstands. Die häufigste Schwachstelle ist nicht das Material, sondern der Übergang: zwischen Jacke und Hose, am Ärmelabschluss, am offenen Kragen. Schutzkleidung nach EN ISO 11612 wirkt nur als geschlossenes System – Jacke über der Hose, Ärmel heruntergekrempelt, Verschlüsse zu.
Was darunter getragen wird, entscheidet mit
Unterwäsche aus Polyester oder anderen Kunstfasern kann unter Hitzeeinwirkung schmelzen und mit der Haut verschmelzen – auch unter einer normgerechten Schutzjacke. Unter Flammschutz gehört flammhemmende Unterwäsche oder Naturfaser.
Veredelung ist bei Kategorie III Herstellersache
Flammschutzkleidung ist in aller Regel PSA der Kategorie III. Sie darf nur vom Hersteller verändert werden, mit Meldung an das Prüfinstitut. Ein nachträglich aufgebrachtes Logo aus nicht flammhemmendem Material kann die Zertifizierung aufheben – sprich uns an, bevor veredelt wird.
Baumusterprüfbescheinigungen laufen ab
EU-Baumusterprüfbescheinigungen sind gemäß Verordnung (EU) 2016/425 auf höchstens fünf Jahre befristet. Für die Beschaffung heißt das: Bei langlaufenden Rahmenverträgen lohnt der Blick auf das Ausstellungsdatum der Bescheinigung, nicht nur auf die Normnummer.