Schutzkleidung für Schweissen und verwandte Verfahren
Kurz gesagt: EN ISO 11611 regelt Kleidung für Schweißarbeiten und verwandte Verfahren. Sie schützt vor Schweißspritzern – kleinen Spritzern geschmolzenen Metalls –, kurzzeitigem Kontakt mit Flammen und der Strahlungswärme eines elektrischen Lichtbogens. Es gibt zwei Klassen – und welche du brauchst, entscheiden Schweißverfahren und Arbeitssituation.
Es wird zwischen zwei Leistungsklassen unterschieden:
Klasse 1 - Geringeres Risiko, weniger Spritzer und Strahlung
WIG-Schweißen, MIG-Schweißen mit geringer Stromstärke, E-Hand-Schweißen mit rutilumhüllter Elektrode, Hartlöten, Bedienung von Plasmaschneidemaschinen
Klasse 2 - Höheres Risiko, mehr Spritzer und stärkere Strahlung
E-Hand-Schweißen mit basisch- oder celluloseumhüllter Elektrode, MAG-Schweißen (CO2 oder Mischgase), MIG-Schweißen mit hoher Stromstärke, Fülldrahtschweißen, handgeführtes Plasmaschneiden, Sauerstoffschneiden, Fugenhobeln, Überkopfarbeiten, enge Räume
Klasse 2 verlangt gegenüber Klasse 1 eine höhere Zahl an Metallspritzer-Tropfen im Test und eine bessere Beständigkeit gegen Strahlungswärme. Die Einstufung folgt der Gefährdungsbeurteilung: Überkopfschweißen und Arbeiten in engen Räumen fallen auch dann unter Klasse 2, wenn das Verfahren selbst harmlos wirkt – weil Spritzer dort anders auf die Kleidung treffen.
Die Kennzeichnung lesen
Worauf es in der Praxis ankommt
Die Übergänge sind die Schwachstelle
Funken und Spritzer suchen sich jede Öffnung. Die typischen Eintrittsstellen sind immer dieselben: der Kragen, der Ärmelabschluss, der Übergang zwischen Jacke und Hose, offene Taschen. Deshalb hat Schweißerschutzkleidung abgedeckte Verschlüsse und keine offenen aufgesetzten Taschen im Spritzbereich – ein Funke, der in eine Brusttasche fällt, bleibt dort liegen und brennt sich durch.
Die Hose gehört über den Schuh
Ein simples Detail mit großer Wirkung: Wird das Hosenbein in den Schuh gesteckt, entsteht ein Trichter, der Spritzer direkt in den Schuh leitet. Die Hose gehört über den Schaft.
Überkopf ändert alles
Beim Überkopfschweißen fallen Spritzer senkrecht auf Schultern, Kragen und Ärmel – also auf Stellen, die beim Schweißen in Normalhaltung kaum belastet werden. Das ist der Grund, warum Überkopfarbeiten unabhängig vom Verfahren in Klasse 2 fallen.
Reparaturen nur fachgerecht
Ein Loch im Schweißerschutz ist keine Schönheitsfrage. Wird mit normalem Nähgarn oder nicht flammhemmendem Flicken repariert, entsteht genau an der reparierten Stelle eine Schwachstelle. Bei PSA der Kategorie III sind Änderungen ohnehin dem Hersteller vorbehalten.